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Authentizität verkaufen - geht das?

Vom 27. Februar bis zum 1. März 2012 findet in Berlin die CallCenterWorld 2012 statt. Nach eigenen Aussagen „Europas größter Treffpunkt der Call Center Branche“. Dominierte 2011 das Thema „Social Media“ die Veranstaltungsagenda, so lautet das Motto 2012:„Den Kundenservice neu erfinden“. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass auch bei diesem Motto dem Thema „Social Media“ die überwiegende Aufmerksamkeit des Fachpublikums geschenkt werden wird. Gespannt darf man sein, wie weit die Überlegungen der einzelnen Branchenvertreter in den vergangenen 365 Tagen gediehen sind, was „Social Media“ für sie bzw. ihre Kunden bedeutet. Denn zumindest 2011 fehlte dem Expertendialog – wie es Nils Hafner in seinem launigen Blog-Post formuliert – „der rote Faden“.

Ein Thema, von dem ich erwarte, dass es auf der kommenden CallCenterWorld für spannende Diskussionen sorgen wird, ist der (zu erwartende) Versuch „Social Media Betreuung“ als Dienstleistung anzubieten. Für die folgenden Überlegungen möchte ich klarstellen, dass ich unter dem Begriff „Social Media Betreuung“ nicht die Unterstützung von Fachleuten bei der Analyse und Definition der eigenen „Social Media Strategie“ oder der Erstellung von Taktiken, Schlacht- bis hin zu Redaktionsplänen verstehe. Ich verstehe darunter ganz konkret die Übernahme der inhaltlichen Gestaltung des Facebook- oder Twitter-Auftritts eines Unternehmens durch einen externen Dienstleister und dessen Personal.

Die Veranstalter der CallCenterWorld bringen die herrschenden Rahmenbe-dingungen gut auf den Punkt, wenn sie in ihrer Einladung schreiben:“ Wir leben in einem modernen Zeitalter der Transparenz. Doch sind Weltoffenheit, Kundenwünsche und Unternehmenswerte tatsächlich durchschaubarer und begreifbarer geworden? Offenheit wird für Unternehmen oftmals zum Problem. Wie groß dieses ist, glauben wir allesamt zu wissen. Wie groß es werden kann, können jedoch selbst Datenschützer und Experten nur erahnen.“

In den Werten eines Unternehmens und seiner Offenheit, die eigenen Werte für die Konsumenten „erlebbar“ zu machen und sich daran messen zu lassen, liegt meines Erachtens der Schlüssel aller Kundenservice- (und somit auch aller Social Media-) Überlegungen. Werte können von Dritten (wie etwa Dienstleistern) inhaltlich selbstverständlich geteilt werden. Aber „authentisch gelebt“ (und somit kommuniziert) können sie nach meinem Dafürhalten nur von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst werden. Authentizität ist nicht käuflich erwerbbar. Doch gerade diese Authentizität erwarten sich Konsumentinnen und Konsumenten von sozialen Medien. Denn das „Soziale“ daran ist der echte („authentische“), ehrliche, öffentliche Dialog auf Augenhöhe zwischen den Kunden und ihrem Dienstleister. Ohne „Bullshit-Bingo“ oder „Marketing-Kampagnensprech“. Handlungsanweisungen für einen solchen Dialog lassen sich meiner Ansicht nach nicht so in Handbüchern, Leitfäden oder Prozessbeschreibungsdokumenten festhalten, dass Dritte immer genau wissen, wie das Unternehmen auf diese oder jene Sonderfrage des Kunden reagieren würde. Dazu müsste der Dritte echter Bestandteil der Auftraggeberorganisation sein, mit allem, was dazugehört. Dann bräuchte es jedoch keine Fremdvergabe.

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Outsourcing unmöglich

Hallo Markus,
ich möchte deinen Gedanken noch unterstreichen. Aus meiner Erfahrung ist ein Outsourcing von Kundenservice generell nicht erfolgreich möglich - egal in welchem Medium. Wenn es - wie Patrick schreibt - nur auf das Briefing ankäme, dann würden mehr Outsourcing-Partner erfolgreich ihre Dienste anbieten. Ich kenne vor allem Beispiele, wo das Outsourcing nicht funktioniert hat und wieder rückgängig gemacht wurde.

Ich möchte aber noch einen zweiten Gedanken beitragen: Die Interaktion mit den Kunden gehört doch zu den Kernaufgaben eines Unternehmens! Wo wenn nicht in der Kundenkommunikation bekommt der Service-Anbieter unmittelbares Markt-Feedback? Alternativ wird oft viel Geld aufgewendet, um die Kundenzufriedenheit oder die Kunden-Meinungen zu messen.

Gerade in den Social Media legen die Kunden auf Authentizität größten Wert. Und diese kann nur nach relativ langer Zeit der Zusammenarbeit erreicht werden.

Oder um es mit einem anderen Beispiel zu illustrieren: Ich engagiere ja auch nicht eine Agentur, um meine Kommunikation mit meiner Frau zu gestalten. Ein bisschen sollte die Beziehung zu unseren Kunden ja auch so etwas wie eine Liebesbeziehung sein ;-)

Ich freue mich auf einen weiteren spannenden Gedanken-Austausch.

Liebe Grüße

Christian

Outsourcing unmöglich

  • Von: Markus Buchner
  • , 16. November 2011,
  • 15:33

Danke für deine Sichtweise, Christian! Besonders gut gefällt mir dein Vergleich mit einer "Liebesbeziehung". Dieses Wort sollte in jedem Menschen angenehme Gefühle wecken und lässt einen auch besser "spüren", warum man sich darum besser selbst kümmern soll. Wer kennt sie nicht die Beispiele aus frühester Jugend, wo ein Freund oder eine Freundin als "Postillon d'Amour" vorgeschickt wurde und danach das Wehklagen meist groß war. :)
Liebe Grüße! Und ich freue mich auf noch viele spannende Diskussionen im Rahmen unseres Blogs mit dir.
Markus

Authentizität verkaufen

  • Von: Patrick Schönberger
  • , 16. November 2011,
  • 10:52

Hi Markus
finde du tust hier ein wenig schwarz/weiss malen, was ja wohl auch der sinn eines blogs ist.
finde es gibt schon "shades of grey" auch bei dem thema "outgesourcte kundenbetreuung via social media".
wie bei kreativagenturen oder anderen "lieferanten" geht es auch im bereich social media betreunung darum dass die agentur das unternehmen gut kennt, mit dem kunden mitlebt und die werte des kunden nicht nur auf der homepage stehen, sondern auch von den eigenen mtitarbeitern gelebt werden (können).
wenn die "ourgesourcten" leute den kunden und das unternehmen wirklich kennen, ein paar wochen direkt im unternehmen sitzen, lässt sich das sicher machen, wie bei anderen agenturen hängt alles von der qualität des "briefings" und der zusammenarbeit ab, dann wird der lieferant zunm partner und ein verlängerter arm/ein weiteres sprachrohr des unternehmens. sicher nicht einfach, aber machbar wenn beide seiten professionell und langfristig denken.
lg
patrick

Authentizität verkaufen

  • Von: Markus Buchner
  • , 16. November 2011,
  • 11:09

Hallo Patrick!
Zunächst einmal danke ich dir recht herzlich für deinen Kommentar. Natürlich ist die Welt nicht Schwarz oder Weiß. Und klar: ich wollte durch eine eindeutige Position die Diskussion zu diesem Thema anregen.
Dennoch kann ich deiner Einschätzung nicht zustimmen. Authentische Kommunikation in den sozialen Medien kann für mich nur das Unternehmen, sprich seine Angehörigen, selbst machen. Alles andere wird früher oder später vom Kunden entlarvt und in der Folge als "unehrlich" empfunden.Mit dem "Langfristschaden", dass der Social Media Auftritt vom enttäuschten Konsumenten nur als weiterer Marketingkanal gesehen wird. Ein solcher Kanal kann schon Ziel eines Unternehmens sein. Aber man beraubtsich dann halt der vielen Chancen die soziale Plattformen bieten.
Lass' uns gemeinsam Augen und Ohren offen halten, wie sich dieses weite Feld in Zukunft entwickelt und welche Beispiele wir für unsere beiden Argumentationen finden. Ich freue mich auf jeden weiteren Austausch dazu mit dir.
Liebe Grüße,
Markus

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