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Das Telefon im Kundenservice: schon bald ein Auslaufmodell?

Immer wieder versuchen sich Technologievertreter als Zukunftsforscher und meinen die zukünftige Entwicklung der Telefonie als Kontaktkanal voraussagen zu können. Erst kürzlich habe ich bei einer Veranstaltung die für meinen Geschmack sehr provokante Aussage von einem Vertreter für Call Center Lösungen gehört, dass der Kontaktkanal Telefonie schon in 5 Jahren praktisch bei null Prozent angelangt sein wird. Also: Telefonischer Kundenkontakt, in 5 Jahren, aus, vorbei, tot!

Ich kann mich dieser Meinung so gar nicht anschließen. Man mag mir auf Grund meiner Tätigkeit die Objektivität absprechen, aber ich bin davon überzeugt, dass das gute alte Telefon auch in 5 Jahren seine Berechtigung haben wird. Denn wie schaut es denn momentan tatsächlich mit dem Telefonieverhalten der Konsumenten aus:

 Aus dem Customer Service Report, Vol. 4, 2010 geht klar hervor, dass das Telefon noch immer mit 64% das beliebteste Kontaktmedium  in Österreich und der Schweiz ist. Vor allem, weil eine direkte und simultane Feedbackmöglichkeit gewährleistet wird. Nach persönlichen Gesprächen mit einem der größten Versandhändler und einem Tickethändler Österreichs hat sich bestätigt, dass nur ca. jeder 4. Anruf in eine Telefonbestellung mündet. Aber: Viele Konsumenten sind z.B. mit dem Online Shop überfordert und rufen bei der Online Bestellung parallel die Telefonhotline an.

Als betriebsblind möchte ich aber keinesfalls gelten. Mir ist schon bewusst, dass die Kontaktkanäle E-Mail, Internet, Chat, SMS aber natürlich auch Facebook, Twitter & Co in der Zukunft stärker von den Konsumenten genutzt werden. Auch deshalb wird es immer wichtiger,  alle offerierten Kontaktkanäle als Unternehmen höchst professionell anzubieten.

Tony Hsieh, CEO von zappos.com, dem weltweit größten Online Schuhhändler, hat in seinem sehr gelungenen Buch „Delivering Happiness" folgendes beschrieben: In seinem Unternehmen gibt es keine klassischen Call Center Kennzahlen wie „Handle Time (durchschnittliche maximal Gesprächsdauer)" oder vordefinierte Gesprächsabläufe für die Servicemitarbeiter. Vielmehr hat er nach Analysen herausgefunden, dass seine Kunden durchschnittlich einmal in der gesamten Kundenbeziehung bei seinem Call Center anrufen: Und bei diesem einen Mal möchte er einen super und nicht nur „good enough" Eindruck beim Konsumenten hinterlassen. Ohne Zeitlimits, Gesprächsleitfäden oder Verweise auf andere Kontaktkanäle.

Und solange Firmen neben anderen Kontaktkanälen auch das Telefon sinnvoll anbieten werden, kann ich mir einen „Telefontod" einfach nicht vorstellen.

Aber entscheiden Sie selbst: Sie haben eine Autopanne auf der Ostautobahn bei der Raffinerie in Schwechat: Würden Sie auf Facebook die Panne beschreiben und auf Hilfe aus der Cloud warten, oder doch eher den ÖAMTC oder ARBÖ anrufen.

Ich wüsste, wie ich mich entscheiden würde!

Auf Ihre Sicht der Dinge, gerne auch per Telefon, freut sich Ihr

Lorenz Aberle

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3 Gedanken dazu...

1) Ich stimme zu, das Telefon ist kein Auslaufmodell. Es wird bestenfalls um andere Kommunikationskanäle ergänzt, die Kunden je nach Anlassfall oder persönlicher Präferenz wählen, um mit einem Anbieter in Kontakt zu treten. Der Schlüssel zu gelungenem Kundenservice liegt also in einer konsistenten Erfahrung über eine nahtlose Multichannel-Kommunikation hinweg.
2) Das Telefon wird intelligenter und somit auch reichhaltiger eingesetzt. Im dargestellten Pannendienst-Beispiel könnte mein Smartphone dem ÖAMTC gleich punktgenau meine Location und meine Vertragsdaten übermitteln, mir sagen ob es in der Nähe ein nettes Lokal gibt, in dem ich auf den Pannenfahrer warten kann oder mich über alternative Verkehrsmittel zur Fortsetzung meiner Reise informieren.
3) Speziell danke für den Hinweis, dass "from good to great" gerade auch im Kundendienst/Callcenter zu gelten hat. Wirkliche Zufriedenheit stellt sich nicht dann ein, wenn mein Problem am Telefon gelöst werden konnte, ohne dass ich elendslang in Warteschleifen oder Eskalationsstufen zubringen muss, sondern wenn es gelingt, so etwas wie Happiness aus diesem Kommunikationserlebnis zu ziehen.

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Telefon ist sicher in 5 Jahren nicht tot!

Meine Meinung ist, dass sich die Kontaktkanäle ergänzen und die Vielfältigkeit an möglichen Kontaktkanälen steigen wird. Aber es wird immer Situationen geben, wo ich mit dem Telefon einfach rascher, unmittelbarer und sicherer an Informationen herankomme als mit allen anderen elektronischen Kanälen.

mfg
Reinhard Paul

Richtig!

  • Von: Mad
  • , 10. August 2011,
  • 10:17

Das Telefon ist und bleibt noch lange absolut wichtig, auch wenn das viele das nicht wahr haben möchten.
Die stete Standardisierung ist natürlich nicht aufzuhalten, aber wer den Service anbietet kann sich mehr und mehr in den Vordergrund setzen. Die telefonische Beratung kann sich so zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickeln, wenn sie denn auch als das von der Geschäftsleitung angesehen wird.

ergänzung /- anpassung

Durchaus ist das Telefon in Zukunft nicht vermeidbar, doch stellt sich die Frage ob der Begriff Telefon, aufgrund diverser VOIP und wireless Produkte, noch existieren wird. Neue Medial- und Kommunikations- Produkte befinden sich in der Entwicklungsphase und werden den mobilen Kommunikations-Alltag revolutionieren, .... durch G zb....sehe ich das Ende von Facebook nah....

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